BASTELT WIEDER MEHR!

BASTELT WIEDER MEHR!

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Erschrocken und total erschlagen kam ich letztes Jahr nach einem Bastelnachmittag im Tierpark abends nach Hause. Den Tag über habe ich zusammen mit Kindern im Alter von ca. 3 bis 10 Jahren gebastelt. Ich hatte verschiedene DIY-Ideen vorbereitet: Angefangen bei einem Zebra, das nur ausgemalt werden musste, bis hin zu einem etwas aufwändigerem Nilpferd war alles dabei. „Kann ja nicht so schwer werden – schließlich sind ja auch die Eltern dabei und helfen“ – war mein Gedankengang in der Woche zuvor. Falsch gedacht! Zwischen Affenhaus und Löwengehege gab es eine Materialschlacht!
Der Klebstoff floss in Strömen – klebte jedoch keine Pappen, sondern nur Finger und Haare oder Finger an Haaren fest! Gelangweilte Kinder und gehetzte Eltern waren das Ergebnis.

Doch was war passiert?

Basteln ist passiert! Basteln – das eigentlich für einen harmonischen Nachmittag steht! Für entschleunigte Quality-Time zwischen Kind und Eltern. Aber da hat sich seit meiner Kindheit anscheinend viel verändert, ich war entsetzt! Vielen Kindern fehlen schlichtweg der Umgang, die Erfahrung und das Feingefühl, die Bastelmaterialien richtig anzuwenden. Ich wurde ganz nervös, als ich zusehen musste, wie Schulkinder die Schere fahrlässig in der Hand hielten und aus dem vorgezeichneten Kreis mit vier groben Schnitten ein Rechteck wurde. Die Kinder schienen dauerhaft unter Strom zu stehen, sodass es ihnen natürlich nicht möglich war, den vorgegebenen Bereich bis zur Linie sauber auszumalen.

Aber wie sollen Kinder Bastel-Skills auch erlernen, wenn es ihren Eltern noch schwerer fällt, eine Schere zu halten? Denn auch, wenn Basteln kinderleicht ist, gibt es Grundlagen, die erlernt und geübt werden müssen.

Vor 25 Jahren haben wir im Kindergarten regelmäßig Schwungübungen gemacht. Ein A4 Blatt musste dabei mit der Schere in Wellen- und Zickzack-Linien zerschnitten und wieder zusammengeklebt werden. Beim Mandala-Ausmalen haben wir die Erfahrung gemacht, wie sich der Buntstift mit mehr oder weniger Druck auf die Mine verhält. Wir haben Farben miteinander gemischt und mit Pinseln, Händen oder Füßen auf ausgediente Tapeten aufgebracht. Zu Hause wurde dann die Lieblings Bibi Blocksberg Kassette eingeschmissen und wir waren im Basteltunnel!

Man könnte jetzt denken, dass Kinder einfach unterschiedliche Interessen haben und nicht jeder basteln muss! Doch ist mit dem Basteln eine unfassbar wichtige Übung verbunden! Basteln fördert die Grob- und Feinmotorik, welche die Grundlage für das Kritzel-Alphabet in der Grundschule bildet. Bereits 70% der Kinder bringen nicht mehr die nötigen motorischen Fähigkeiten beim Wechsel vom Kindergarten in die Schule mit! Motorik muss geübt werden, aber auch die Hand-Augen-Koordination benötigt Training. Wusstet ihr, dass die Feinmotorik, wie auch die Hand-Augen-Koordination erst bei einem sechsjährigen Kind gut genug ausgeprägt ist, um die Zähne wirklich eigenständig putzen zu können?

Seid euren Kindern daher ein Vorbild! Schreibt wieder Einkaufzettel, anstatt Spracherinnerungen aufs Handy zu sprechen! Verschickt handgeschriebene Glückwunschkarten, anstatt lahme WhatsApp-Nachrichten. Und vor allem bastelt mit euren Kindern! Schnappt euch die Schere und den Kleber! Lasst euch Zeit und nehmt euch den Druck, perfekte Bastelergebnisse zu erzielen, die ihr anschließend als Foto auf Instagram und Facebook postet! Basteln steht für eine tolle gemeinsame Zeit, in der man sich ausprobiert und Spaß hat!
Also habt Spaß!

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